Filmkritik: "39,90"

39,30 ist eine sehr überraschende halb reale, halb surreale Parabel um einen creativen Werbemenschen, seine Drogenexzesse, seine grosse Liebe und den Zweifel an seiner Arbeit.

Octave ist ein creatives Genie und ein selbstverliebtes Arschloch. Eigentlich verachtet er seine Kunden - jedenfalls dann, wenn sie das Konzept für eine Kampagne über den Haufen werfen, weil sie die Genialität nicht verstehen. Seine Idee rotzt er und sein Team geradezu heraus. Und es funktioniert, sofern Kokain zur Unterstützung "schnupfbereit" herumliegt.

Er verliebt sich in Sophie - vergeigt es aber, was ihn nicht mehr loslassen wird.

Ab diesem Moment scheint seine Welt gestört und ein katastrophales Ende (das am Anfang des Filmes schon angedeutet wird) scheint zu drohen. Mehr im Spoiler nach dem Trailer.

Ich mochte den Film. Auch wenn er an einigen Stellen etwas zu lang erscheint. Visuell schafft er auf sehr unterhaltsame Art und Weise immer wieder einen Übergang zwischen realen und irrealen Welten. Da taucht Octave auch schon mal in seinen eigenen Werbespot ein und bringt alles durcheinander.

Der Film glänzt in grossartigen Einzelmomenten: Beispielsweise der Auswahl des "Grünpunktes" des Grases im Verhältnis zur Joghurt Verpackung für den Videospot.

Ein böser, lockerer Film - einladend zur anschliessenden Diskussion.

/* Spoiler - das Ende - die Varianten */

Das doppelte Ende überrascht anfangs. Es gibt also eine zweite "Realität" in der alles gut wird. Octave lebt quasi in seinem eigenen Werbespot. Ich persönlich fand einige Sequenzen dieser Version zu lange.

Wie endet der Film nun "wirklich"? Für mich steht das "lange Ende" für die Idee, die Octave hat als er (schon im Fallen) sein Leben für sich Revue passieren lässt. Der ganze Film spielt ja sozusagen im Moment des Fallens.

Octave sieht sich selbst auf dem Werbeplakat in der Scheinwelt, die er ansonsten schafft. Und die er selbst an einer definierten Stelle vergeigt hat. Er würde gerne in seiner eigenen Scheinwelt leben.

Er rebelliert.