Filmkritik: Assault on wall street"

"Assault on wall street" investiert da, wo die großartigen "Margin call" und "Wallstreet" aufhören - in der Schilderung der Rache der Betrogenen. Doch die Chartanalyse lässt uns Spannungs-Defizite vermuten. Der "untere Haltungs"-punkt [sic!] wird nur knapp erreicht.

Uwe Bolls Filme polarisieren. Viele verschreien ihn als "Trash King" - ich finde, er hat einige Filme geschaffen, die sich durch viel Unterhaltungswert vom Einheitsbrei dankbar abheben (z.b. "Bloodrayne"  und "Blubberella"). Was hat der Meister der Unsubtilität uns diesmal auf die Mattscheibe geladen?

Jim ist ein guter Mensch. Er arbeitet für einen Sicherheitsdienst und hat eine kranke Frau. Leider nichts Besonderes. 
Es gibt Probleme mit den Behandlungskosten und die Wirtschaftskrise bricht aus. Die ganze Welt bricht über Jims kleiner Familie zusammen und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Leider nichts Besonderes. 

Der Film beginnt sich zu längen. Auch das ist nichts Besonderes. Allerdings erwartet man genau das nicht von einem Boll Film. Und hier kämpft der Meister vielleicht auch etwas gegen seinen Ruf, denn trashig ist der Film bis dahin in keinster Weise. Ich möchte die Handlung gar als "einfühlsam" bezeichnen.

Nun denn - der Titel des Films lautet "Assault" und wir warten alle auf die drohende Metzelei. Wie immer kein Spoiler an dieser Stelle - mehr nach dem Trailer weiter unten.
 
Am Ende des Tages - äh - Filmes kehren wir das Wechselgeld zusammen: Boll erspart uns jegliche Interpretations-Not - die Aussage dieses Streifens kulminiert in den Bildern der blutüberstömten Bankster. Sehr unsubtil.
Aber dieser Film glänzt durch einen großartigen Moment - und zwar leider erst im Finale. Davor fand ich ihn recht mittelmässig und würde eindeutig "Margin Call" oder "Wallstreet" als Alternative empfehlen.

/* Spoiler - "Assault on Wallstreet" - das Finale - die Bilanz */

Kurz zur Logik. Aufgrund meiner bisherigen Boll Filme hätte ich eine völlig andere Handlung erwartet. Der Freitod von Jims Frau hat mich überrascht. Selbst wenn Ihre Therapie abgesetzt würde, wäre das nicht ihr sicheres Todesurteil gewesen (soweit ich den Medizin-Kauderwelsch verstanden habe). Eigentlich war sie geheilt. Aber akzeptieren wir diese Prämisse einfach. Es geht weiter...

Jim beginnt aktiv zu werden. Wie die Hühner auf der Stange erschießt er die Banker. Und er kommt damit durch. Etwas hastig sieht dieser Umschwung schon aus, auch wird erst später erklärt, wo Jim dieses Scharfschützengewehr denn wirklich her hat (bei amerikanischen Filmen scheint ein Hinweis auf die "Army" auszureichen, jede Waffensammlung zu rechtfertigen). 

Der Film mündet in seine fragwürdige "ich bin ein gerechter Rächer" Sequenz. Nichts Besonderes wird gezeigt. Das hätte jeder  Autor von "Gute Zeiten, beschissene Zeiten" aufs Pergament bringen können.

Einzig das Ende hat mich kurz umgehauen. Die Rochade, die Jim mit dem Bankmanager spielt, lässt die Charts des Films deutlich ansteigen: Die Gier und mangelnde Fairnes des Bankers kostet ihn sein

Leben. Die SWAT Teams finden ihn mit gezückter (leerer) Waffe in Schussposition auf Jim. Er findet sein Ende im Kugelhagel der Staatsdiener, die Jim anschließend sicher aus dem Gebäude geleiten.

 


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