Filmkritik: "The Call"

Halle Berry telefoniert. Das mag nicht so spannend klingen (viele würden es lieber sehen, wenn sie wie in Swordfish öfters das Buch weglegen würde ), der Film entwickelt aber - wider Erwarten - einen recht erträglichen Spannungsbogen.

So ganz neu erscheint die Idee ja nicht - schon Kim Basinger beliebte als Entführungsopfer ihren "final Call" stundenlang auszudehnen ohne wirklich Spannung aufkommen zu lassen.

"The call" in a nutshell: Das Opfer einer Entführung telefoniert aus dem Kofferraum des Wagens um Hilfe. Quasi "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs". Halle Berry versucht, den Wagen zu lokalisieren während Abigail Breslin hofft, dass ihr Akku hält.

Man darf an vielen Stellen des Films nicht wirklich nachdenken (mehr in der Spoilerzone nach dem Trailer). Die Handlung baut auf ein paar Zufälle (nicht unbedingt Fehler), die ich sehr gravierend finde. Auch nimmt der Streifen im letzten Drittel eine zumindest diskussionwürdige Wende (auch hierzu mehr im Spoilerbereich).

Alles in allem finde ich, der Film zieht einen sehr schnell in seine Welt ohne viel an Tempo zu verlieren. Die Schwäche liegt eindeutig im letzten Drittel und dort vor allem in der Glaubwürdigkeit der Handlung. Trotzdem ganz sehenswertes Kino, wenn man bereit ist die Schlaglöcher auf der Logikpiste zu übersehen. 

Nervig fand ich hingegen die wiederholten "NSA" Hinweise Hinweis: "Wir können das GPS nicht tracken - es ist ein Wegwerf Handy". Wir haben es alle verstanden. Handy Tracking kann Leben retten. Falsch aber, wie dargestellt wird, dass die Ortung ohne GPS nur extrem grob möglich sei - das stimmt so nur in ländlichen Gebieten.

 

/* Spoiler - The call - das Ende und die Fehler */ 

Die Sache mit der Farbe... Eine sehr nette Idee, die Sache mit der "Brotkrumenspur" (gibt Pluspunkte). Aber warum bitte waren Farbeimer überhaupt im Kofferraum?
Gehört das zur Grundausstattung bei Entführungen?  (*) Und wie lange haben sie gesucht, bis sie ein Auto fanden, bei dem man bis zu den Rücklichtern durchgreifen kann? Und wieso weiss Halle Berry das?

Das Ende:  als Halle Berry ins Auto steigt und das Entführungsopfer auf eigene Gefahr sucht, hats mir alles umgedreht. Das ist wirklich Unsinn. Die anschliessende Sequenz war mehr als vorhersehbar (und der Böse steht wieder auf - wie jedes Mal - wir kennen das). Das Ende fand ich dann wieder gut, weil mutig (nicht unbedingt weil es emotional glaubhaft wäre) und weil ich es so in keinster Weise erwartet hätte.

Allerdings wurde diese Problematik z.B. in "Extremeties" viel glaubwürdiger und nachvollziehbarer umgesetzt.

(*) Edit (Vielen Dank für den freundlichen Hinweis): Irgendwie habe ich den Zusammenhang verpennt: Die Farbeimer stammen in der Filmlogik natürlich von der "Renovierung". Wahrscheinlich habe ich das verdrängt, weil ich an der Stelle im Film schon dachte "Das ist eine Ausrede". Sei es drum - ich finde es schon sehr konstruiert, daß der Bösewicht vorher noch Farbe kaufen geht. Irgendwie musste eben die Idee mit der weißen Farbe ins Drehbuch.