Serienkritik: "House of Cards"

Wie ein (weisses) Kartenhaus scheint Franks politische Karriereplanung von einem Moment auf den anderen einzustürzen. Den Job des Aussenministers, der ihm versprochen war,  wird ein anderer bekommen.

Das trifft den leidenschaftlichen Schachspieler wie ein Schlag ins Gesicht. Noch mehr wurmt Frank sein eigenes Versagen, diese Möglichkeit nicht vorhergesehen zu haben.  Das muss sich ändern und Frank beginnt seine Figuren der Macht auf dem Schachbrett der Politik zu platzieren. Frank spielt ohne Emotion - einzelne Figuren mögen eine zeitlang nützlich sein, andere taugen als Opfer. Und so baut er ein neues Kartenhaus und diesmal geht er vollkommen rücksichtslos vor. Sehr intensiv und sehr empfehlenswert (mehr in den Spoilern nach dem Trailer).

Weiter zur Kritik der Season 2 geht es hier (Link)....

Die Serie spielt auf mindestens drei Haupthandlungsebenen.  Auf der zweiten Handlungsebene versucht sich Franks Frau - nicht weniger kaltschäutzig als Frank selbst - als Samariterin der "CWI" (Clean Water Initiative). Auch sie opfert bedenklos "Bauern", wenn es ihrem "Spiel" nutzt. Richtig spannend wird es, wenn ihre Ziele mit denen ihres Mannes zu kollidieren drohen.

Denn die beiden führen eine sehr offene Ehe: Als Frank um ihre Hand anhielt, versprach er ihr nicht die ewige Treue, sondern "...dass es niemals langweilig" wird. Und das leben die beiden auch. In einer sehr ungewöhnlichen Beziehung in der man die beiden nie intim mit einander werden sieht. Das Teilen der Zigarette am Abend scheint das Maximum an Intimität zwischen diesen ungewöhnlichen Individuen zu sein.

Serienkritik: "Homeland"

Selten begeistern mich "DGH" ("durchgehende Handlung") Serien. Homeland hat es geschafft, mich 2 Seasons lang bei der Stange zu halten. Season 1 Die Grundstory lässt sich sehr schön spoilerfrei erzählen. Ein Armeeanghöriger (Brody) wurde von bösen Terroristen verschleppt. Erst nach 8 Jahren wird er zufällig befreit. Die CIA Feldagentin Carrie erfährt von einem geplanten Anschlag auf die USA und einem "umgedrehten" POW (Prisoner of War).

Ist das etwa Brody? Sie beginnt auf eigene Verantwortung zu ermitteln.

Für mich war die Serie ein absoluter Überraschungstreffer. 12 Folgen lang vermag sie,  immer wieder zu faszinieren. Der Spannungsbogen wurde exzellent geplant und die Schauspieler liefern gigantische Leistungen ab. Vor allem "Carrie", die gegen Ende der Season so richtig gefordert wird (und sich auch in Staffel 2 hervorragend macht).

Mir gefällt die ruhige Erzählweise. Eine (!) Story wird in 12 Teilen erzählt. Keine übertriebene Action und wenig Gerenne, dafür umso mehr Spannung zeichnen diese Serie aus.

Es gibt eine zweite Season - mehr im Spoiler (den man diesmal lesen kann, ohne den Haupt Twist verraten zu bekommen).

/* Spoiler Season 1 - "gelber Alarm" (ich verrate nicht alles) */

Carries Bipolarität gibt ihr die Möglichkeit, ihr schauspielerisches Talent richtig auszuleben. Sie ist der eigentliche Star der Serie. Mir gefiel sehr gut an dieser Season, dass man nicht das "24" Ende gewählt hat: alle Probleme sind in 10 Minuten gelöst. Offen ist bis dato, wer die Rasierklinge zugespielt hat. Von Brody wissen wir, dass er den Lügendetektortest umgehen kann, aber auch Saul käme in Frage (und seine erste "Sitzung" lieferte ja ein recht verdächtiges Ergebnis).

/* Spoiler "Roter Alarm": Einige Gedanken zu Brody - das Ende von Season 1 */

Brody scheint ein wenig von Carries Bipolarität "geerbt" zu haben. Die jahrelange Gefangenschaft hat ihn sichtlich gebrochen. Sein Peiniger Abu Nazir und dessen Sohn sind zu seiner Familie geworden (siehe Stockholm Syndrom). Als Nazirs Sohn bei einem Drohnenangriff ums Leben kommt, den der jetzige Vizepräsident der USA zu verantworten hat, ist Brody zum idealen Werkzeug für Abu Nazir geworden. - so scheint es. Doch Brodys Liebe zu seiner Familie und seinem Land, machen einen Strich durch die Rechnung. Am Ende stoppt er den grausigen Anschlag; letztendlich nur aufgrund der Zuneigung zu seiner echten Famile (die amerikanische Welt ist wieder in Ordnung).

 

Season 2

Man sollte auf jeden Fall die erste Season gesehen haben, bevor man mit der zweiten weitermacht. Auch hier macht die Story (der ich eigentlich nicht zugetraut hätte, noch eine Season weiter zu tragen) einige unerwartete Abzweigungen...

Die zweite Season hält, was die erste versprach. Ich kann nicht viel kritisieren ohne die Handlung vorwegzunehmen. Ich bin Season 2 mit Begeisterung gefolgt.

Der einzige "erlaubte" Spoiler: Season 3 wird produziert.

/* Spoiler "Roter Alarm" - Brodys Motive */

Wir wissen immer noch nicht, wer für die "Sache mit der Rasierklinge" verantwortlich ist.

Auf den ersten Blick scheint sich Brody widersprüchlich zu verhalten. Er tötet einen Mitattentäter, den Vizepräsident, rettet aber Carrie und verlässt seine Familie. Folgt man seinem Psychogramm aus Season 1, finde ich keine wirkliche Überraschung in diesen Taten: Er rettet Carrie, denn in sie hat er sich verliebt. Sie ist seine neue Familie; mit ihr versteht er sich. Sie weiss alles über ihn und liebt ihn trotzdem. Deshalb fällt es ihm auch leicht, ihr Leben gegen das des Vizepräsidenten einzutauschen. Das Ende der Season hinterlässt gemischte Gefühle. Season 3 ist bestellt, somit war klar, dass die Handlungsträger nicht sterben dürfen und weiterhin im Spiel bleiben sollten.

Kritik: "Die Fahrerflucht" Story will nicht so recht ins Gesamtbild passen, da überflüssig. Die Serie scheint inzwischen auf "endlos" angelegt zu sein, was ich sehr bedauere. Brody wird zum "running" Gag (schönes Wortspiel), der sicherlich auch in Staffel 3 wieder wichtig sein wird. Ich spekuliere hiermit, dass seine alte Familie als Geisel genommen wird (somit könnten alle Personen in der Handlung verbleiben).

 

Ergänzung (04/2016):

Staffel drei habe noch angeguckt und mehr und mehr das Interesse verloren. Staffel vier nur ein paar Folgen gesehen. Die Serie hat mich verloren. Staffel 1 und 2 waren im Nachhinein die besten.

Serienkritik: "House of lies" (Staffel 1)

Eine Serie über Unternehmensberater? Man denkt an Akten, Staub und gähnende Langeweile. Doch Marty Kaan und seiner Truppe kann man viel vorwerfen, aber Langeweile verbreiten sie nicht. Marty pflegt ein Verhältnis mit seiner nymphomanischen Ex-Ehefrau, die "zufällig" auch bei einer konkurrierenden Unternehmensberatung arbeitet.

Das bunt gewürfelte Beraterteam will nur das beste der Unternehmen, die sie engagieren - ihr Geld. Eigentlich sollten sie die Firmen ihrer Kunden optimieren; letztendlich optimieren sie ihre Kunden für sich.

Die Serie arbeitet mit einem sehr witzigen Grundkonzept. Immer wieder hält die Handlung an und Marty erklärt dem Zuschauer, was gerade abläuft (die Idee habe ich zuerst in "Hustle" realisiert gesehen - übrigens eine sehr empfehlenswerte britische Serie). Diese Sequenzen finde ich immer visuell besonders reizvoll - die gerade laufende Action bleibt an der unmöglichsten Stelle stehen und manchmal spult Marty wie auf der Klaviatur eines Videorecorders hin und her und verändert Kleinigkeiten. Ein Sinnbild für seine Arbeitsweise als Unternehmensberater?

Mir gefällt die erfrischende Direktheit der Serie. Zum Glück sendet "Showtime" im Kabel und somit haben die prüden amerikanischen FCC Regeln keine Gültigkeit... und man muss es schon direkt sagen - in dieser Serie geht es nicht nur um Unternehmen, sondern auch um kurzfristig miteinander interferierende Beziehungen zum anderen (oder gleichen) Geschlecht.

Eine grossartige Serie. Sehr trocken auf dem Punkt. Sehr bösartig.

Wer diese Serie mag, mag vielleicht auch "Suits", "The good wife"...

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=4JRvXLiJagc

/* Spoiler */

Ich zweifle, dass die Serie mehr als 2 Staffeln überlebt. Das Hauptproblem der Staffel 1 ("die Übernahme") wurde gelöst. Ich bin gespannt, ob es gelingt, die Spannung am Laufen zu halten:

Staffel 1 beginnt mit einigen Episoden, die den Ablauf eines "Beratungsvorgangs" darstellen. Martys Episode mit einer Prostituierten rächt sich prompt und führt letztendlich zum Beginn der feindlichen Übernahme. Marty kann nicht von seiner Exfrau lassen und versaut sich letztendlich damit auch die gerade beginnende neue Beziehung. Sinnbildlich dafür versaut er sich auch noch das Verhältnis zu seinem Sohn. Nette Ironie des Schicksals: die sexuellen Ausschweifungen des Teams verhindern letztendlich die Übernahme, die alle den Job gekostet hätte.

 

 

Serien Kritik: "Happy Endings"

Alles hat ein Ende: "Friends", "How i met your mother" und die Hochzeit von Alex und Dave bevor sie wirklich begonnen hat. So beginnt die erste Folge der Serie, die ich hier und heute als den Nachfolger von "How I met your mother" nominieren möchte. Sind wir doch ehrlich - diese Serie ("HIMYM") lief jetzt 7 Staffeln und die Charaktere sind verbraucht. Den Drehbuchautoren fällt nichts Neues mehr ein und sie kommen auf die (jede Serie) tötende Idee, etwas ändern zu müssen. Das heisst meistens "heiraten und/oder Kinder kriegen".

Die Serie konstituiert sich aus 6 Haupthandelnden (im Lebensalterabschnitt "30"). Die Rahmenhandlung (es folgen leichte Spoiler) bestimmen mehrere "Dauerthemen": Da sind Dave und Alex. Alex hat Dave kurz vor dem Ja-Wort verlassen. Aber so richtig lassen können sie nicht voneinander (siehe Rachel und Ross @ "Friends"). Auf der anderen Seite - der "Beziehungs"-Gegenpol - stehen Jane und Brad. Sie sind glücklich verheiratet (siehe Marshall und Lily @ "How I met your mother"). Kleiner Tipp: wenn die beiden (also Jane und Brad) anfangen, Kinder zu kriegen, wird die Serie am Ende sein.

Für eine gute Sitcom fehlern jetzt noch ein bis zwei Singles auf Dauersuche oder zumindest durchgeknallte Aussenseiter  ("Barneys" oder "Phoebes" quasi), die für Chaos und Bewegung sorgen. Hier sind es Max und Penny. Mit Max (der schwule Single-Freund von Dave und Brad) hat man eine weitere Dimension der Beziehungskomödie eingebaut. Penny dagegen wirkt - als dauerhaft "Boyfriend material" Suchende vom Sujet her eher etwas "abgelutscht".

Der Wortwitz (in der OV) ist grossartig. Die Charaktere machen Spass und sind hervorragend besetzt.

Nachdem die Serie wohl einige Zeit im Archiv lag und im April 2011 ausgestrahlt wurde, hat ABC inzwischen verkündet, eine zweite Staffel zu senden.

Der "offizielle" Trailer :

http://www.youtube.com/watch?v=jvZ8BcgWnUo&feature=player_detailpage

Guter Ausschnitt: "How to be a Hipster": Penny hat einen neuen Freund - leider ein Hipster. Penny bekommt von Max Nachhilfe im Punkto Kleidung und Lebenseinstellung.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=exTEep3OxMA

 

Edit: Season 2...

Die Serie verliert etwas. Die Autoren versuchen durch weghalsig abstrakten Unsinn zu punkten: "V-Neck Abhängigkeit" und "Frühjahresstreit" (die Sache mit dem "Bären") - das ist mir zu weit weg. Da hat vielleicht jemand zu viel Seinfeld gesehen. Bei Seinfeld wurde der Wahnsinn aber hauptsächlich mit der Figur des "Kramer" verbunden.

Die "normalen" Folgen der zweiten Staffel sind "anschaubar",

 

 

Serien Kritik: "Suits" (Season 1 / 2)

Hier mal eine "no thrills" Serienkritik: "Suits" ist eine Serie über Anwälte. Langweilig? Gewiss - NICHT!

Der Trailer beginnt mit Mike Ross (Patrick J. Adams). Gesegnet mit einem fotografischen Gedächtnis und "eingearbeitet" (no Spoilers here) in die Materie der Gesetze landet er "aus Versehen" (ich sagte ja "keine Spoiler)" in der Rekruiting Veranstaltung einer Anwalts Kanzlei und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

"Ok - aber was ist daran interessant - schon wieder eine Anwaltsserie?":

Nun - die Serie funktioniert einfach. Und das aus drei Gründen:

  • Die Hauptpersonen erscheinen authentisch und interessant (was für ein langweiliges Wort). Gabriel Macht (Harvey Spencer) brilliert als leicht arroganter, selbstsicherer Erfolgsanwalt. Leider (oder zum Glück - no Spoilers) stellt er Mike  ein.
  • Die Nebenfiguren funktionieren grossartigst. Sarah Rafferty mimt die Chefsekretärin auf eine unglaublich göttliche Art und Weise - halb Domina, halb Seelenklempner. Rick Hoffman - der Kanzlei Bösewicht und Intrigenschmieder (quasi der J.R. in der Kanzlei) - macht wahnsinnig Freude beim Zusehen, Intrigen schmieden und scheitern (oder auch nicht - no Spoilers). Gina Torres ist hier zwar mal ohne Colt und Raumschiff unterwegs. Sie spielt die souveräne Chefin, immer dezent einen Hauch overdressed, deren Aufgabe es ist, den Haufen narzisstischer Egomannen in Schach zu halten. Und Meghan Markle macht einfach nur Spass beim Ansehen.
  • Handlung. Nicht in allen Folgen erscheinen die Verwicklungen des amerikanischen Rechtssystems spannend. Das ist aber nicht weiter tragisch, da die serienübergreifenden "Hintergrundkonflikte" durchaus auch "tragend" sein können.

Man könnte von einer Ähnlichkeit zu "The Good Wife" sprechen. Das möchte ich aber genau vermeiden. Ich behaupte, dass diese Serien sich (für Interessierte) gut ergänzen. Man sollte "Suits" auf jeden Fall vollständig und in der richtigen Reihenfolge sehen. Die Staffel 1 fand ich hervorragend, Staffel 2 ist gerade in USA durchgelaufen - mehr (mit Spoilern!) hinter den Trailern.

Staffel 2:

Hohe Erwartungen hatte ich ja schon - aber auch die Angst, dass die Charaktere zu schnell in der ersten Staffel "verbrannt" wurden. Die Furcht war unbegründet. In Staffel 2 wird eine neue Figur eingeführt, die das Machtgefüge in der Kanzlei verändern könnte. Ich will nicht mehr verraten. Diese Staffel war mindestens genauso gut wie die erste. Etwas emotionaler zugegeben, aber gewürzt mit einer guten Portion Hinterlist und Intrigen. Klasse!

Achtung - jetzt folgen leichte Spoiler!

Kurz hat mich ein Handlungsstrang an "the good wife" erinnert. Zum Glück bleibt es bei leichten Parallelen. Das Spiel mit der Figur "Donna" hat richtig Spass gemacht. Da waren die Drehbuchautoren einmal mutig - aber nicht zu übermütig. Auch Louis bekommt (zurecht) viel Sende und Dialog-Platz.

Ich bin gespannt, wie sie in Season 3 weitermachen wollen. Alle Figuren hatten ihre grossen Auftritte und Lebenskrisen.

Übrigens: wer (auch) nicht verstanden hat, was die im Soundtrack da singen. Hier ein Video mit Untertiteln....